Ü70-Vizeweltmeister Manfred Lesting aus Spelle: Ein sagenhaftes Erlebnis

23.10.2026 | Fussball Allgemein
Ü70-Vizeweltmeister Manfred Lesting aus Spelle: Ein sagenhaftes Erlebnis

Den Titel hat die deutsche Mannschaft, die als Team Deutschland Blau startete, der Weltmeisterschaft der Ü70-Fußballveteranen in Australien knapp verpasst. „Wir haben ein super Turnier gespielt und es genossen, Vizeweltmeister zu werden“, sagt Mittelfeldspieler Manfred Lesting vom SC Spelle-Venhaus.

„Der zweite ist der erste Verlierer“, weiß der Emsländer. Doch die Enttäuschung nach der 0:1-Niederlage im Endspiel gegen Wales wich schnell der Freude über das gute Abschneiden. „Das war ein sagenhaftes Erlebnis.“ Denn vor einem Jahr bei der WM in Japan war das deutsche Team noch Elfter, also Vorletzter, und blieb ohne Sieg. In Australien wurde es jeweils Gruppensieger in der Hauptrunde und der Meisterschafts-Playoff-Runde, verlor sie nur das Endspiel und schoss die meisten Tore.

Wertschätzung erfahren

„Fußball ist mir sehr wichtig. So ein Turnier spielen zu dürfen, ist das absolute Highlight“, betont Lesting. Es sei die Kosten, die die Spieler selbst tragen, wert gewesen. Dazu komme als Bonus die Wertschätzung, die er anschließend erfahren habe.

Als Rechtsfuß im linken Mittelfeld

Die Mannschaft von Trainer Stefan Stuckenberg war deutlich stärker als vor zwölf Monaten in Tokio. Viele Spieler hatten sich beworben und waren gesichtet worden. Lesting gehörte zu dem Drittel des aktuellen Aufgebots, das in Japan schon dabei war. Besonders imponiert hat ihm der offensive Mittelfeldspieler Wolfgang Wolters aus Rostock. Reinhard Zerahn und Lesting übernahmen den defensiven Part. Der Speller mit dem starken rechten Fuß – „den linken brauche ich zum Einkaufen“ – spielte auf der linken Seite.

Acht Mal in der Startelf

Der 71-Jährige überzeugte offenbar, denn er kam in allen acht WM-Partien in der Startelf zum Einsatz, spielte jeweils mindestens eine Halbzeit auf dem Großfeld. „Ich bin noch schnell unterwegs“, erklärt Lesting. Er sichert nicht nur defensiv ab, „auch das Spiel nach vorne funktioniert gut“. Beim 3:0 gegen Kizuna (Japan) erzielte er einen Treffer: „Der Ball kam aufs Tor, der Torwart stand direkt hinter mir. Dann habe ich mit dem Scheitel den Wischer draufgesetzt“, also die Richtung des Balles verändert. Der Keeper war machtlos.

„Zwei Dinge habe ich verbockt“

„Zwei Dinge habe ich verbockt“, bekennt der Speller, der seit 62 Jahren für den SCSV aktiv ist. Er verursachte zwei Elfmeter. Einen davon im Finale: Er versuchte, einen wuchtigen Kopfball nach Ecke am Pfosten mit dem Oberkörper abzuwehren, und bekam das Leder an den Oberarm. Der Schiedsrichter zeigte sofort auf den Punkt und teilte dem Spieler mit, dass er Gnade vor Recht walten lasse und ihn nicht auch noch vom Platz stelle. Aber beim „nächsten kleinen Aussetzer wäre ich draußen gewesen“, sagt Lesting. Die Waliser verwandelten und wurden Weltmeister. Der konditionell starke Titelverteidiger setzte das deutsche Team von Beginn an stark unter Druck. Doch Mitte der zweiten Halbzeit verpasste Deutschland Blau die Riesen-Chance zum Ausgleich.

„Vom zweiten Platz hellauf begeistert“

Im Rückblick erklärt Lesting schmunzelnd: „Wir sind vom zweiten Platz hellauf begeistert. Wenn es der erste geworden wäre, wäre natürlich die Stimmung noch besser gewesen.“ Bei der Abschlussveranstaltung gemeinsam mit den Teams von der Ü75- und Ü80-WM erhielt auch Lesting im Weingut Sirromet eine Silbermedaille. „Die sieht schon wertvoll aus.“ Damit hat er sein WM-Ziel „Edelmetall“ erreicht. Deutschland Blau gewann fünf von acht Partien und wies ein Torverhältnis von 21:3 auf.

Ausflug zur Goldküste

Die Belastung von acht Spielen in den fünf Tagen auf der Anlage des Redlands FC in Cleveland im Bundesstaat Queensland steckten den Fußballern noch in den Knochen. Einen spielfreien Tag in der Mitte des Turniers nutzte der Emsländer zu einem Abstecher zur Goldküste und zeigte sich beeindruckt von der Region am Pazifik.

WM 2027 in Dallas

Aus seinem Bekanntenkreis und auch über den SCSV hätten ihn viele Glückwünsche erreicht, erklärte Lesting, der sich nach der langen Reise auch vom Jetlag erholen musste. Sein nächstes Ziel soll die WM 2027 in Dallas (USA) sein.

 

Das Titelfoto zeigt Spelles WM-Teilnehmer Manfred Lesting (r.). Fotos: Hagen Sicher (13)

 

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